ZU MEINER PERSON

Seit dem ich 1982 auf der Welt bin, will ich Schlagzeug spielen. Wie ich darauf kam, lässt sich nicht genau herausfinden. Da nahezu meine gesamte Familie aus professionellen Musikern besteht, habe ich ohne Zweifel eine starke, musikalische Prägung erfahren. Meine Mutter spielte noch bis einen Monat vor meiner Geburt beruflich Violine im Orchester. Aus ihren Erzählungen weiß ich, dass ich bereits im Bauch einen Hang zu Schlaginstrumenten gehabt haben muss – jedes Mal, wenn die Pauken ertönten, soll ich wild gestrampelt haben. In meinen ersten Lebensmonaten zeigte ich eine starke Faszination für sämtliche rhythmische Schallemittenten, allen voran Uhren aller Art. Als ich älter wurde, wuchs diese Faszination zum wahnsinnigen Lebensziel, „Drummer einer Band“ zu werden.

Meine Eltern nahmen es mit Fassung. Sie waren Anfang der 70er Jahre aus Uruguay nach Deutschland gezogen und lebten in einem kulturellen Spagat zwischen klassischer Musik und Brazil-Jazz. Zudem glaube ich auch, dass sie schon immer einen großen Respekt vor meinem Dickkopf hatten. In seiner Handwerkerlaune baute mein Vater immer wieder Rasseln und sonstige Percussion-Instrumente aus Abfall und Holzresten. (Bildergalerie in Planung) Meine Eltern kauften mir im Alter von 2 Jahren sogar Bongos, um mein Gemüt zu befriedigen. Mit 4 Jahren holte mich meine Familie auf die Bühne – mit unserer Familiencombo spielten meine Eltern, meine Schwester (*1972) und mein Bruder (*1975) südamerikanische Folklore und tourten erfolgreich durch sämtliche Kirchengemeinden und Bürgerhäuser unserer Region und den angrenzenden Gemeinden. Ich bediente dabei alles was rasselte, klapperte und klingelte – und ging auch immer gerne an den „Bombo Leguero“ (eine große lateinamerikanische Trommel), mit dem ich auch meinen ersten Rhythmus – natürlich einen Bossa Nova – spielte.

Bevor ich Schlagzeugunterricht bekam, sollte ich zunächst ein „richtiges“ Instrument erlernen, das mir tonale Zusammenhänge und die Musiktheorie näher bringen sollte. Heute bin ich meinen Eltern für diese Entscheidung sehr dankbar und profitiere ungemein davon. Damals habe ich mit der Blockflöte nur deswegen bereitwillig angefangen, weil ich so mit meiner Kindergartenliebe zusammen Unterricht nehmen konnte – natürlich bei meiner Mutter, die sich seit meiner Geburt hauptsächlich dem Unterrichten widmet. Nachdem mehrere Versuche scheiterten, mir die Geige (was auch sonst…) beizubringen, ließ ich mich mit 6 Jahren dazu erweichen, Klavierunterricht zu nehmen. Der Ernst des Lebens begann. Mit knirschenden Zähnen übte ich, bis ich mich mit 9 Jahren endlich meiner Passion – dem Schlagzeug – widmen konnte.

Der damalige Solopaukist der Philharmonie Südwestfalen, Horst Waldeck, wurde mein erster Lehrer. Über 7 Jahre lernte ich bei ihm eine fundierte Technik sowie Pauken- und Schlagzeugspiel. Bald schon spielte ich in Blas- und Akkordeonorchestern und klassischen Ensembles, welche mir meine ersten Erfahrungen im Zusammenspiel mit anderen Musikern und nach Dirigat gaben. Zusätzlich dazu entstanden erste inner- und außerschulische Bandprojekte. Als er mich dann im Alter von 16 Jahren von seinem Unterricht entließ, suchte ich nach Perspektiven, Impulsen und vor allem nach einem neuen Lehrer.

Da mein Bruder zu dieser Zeit an der Hochschule für Musik „Hanns-Eisler” in Berlin Violine studierte, bot es sich für mich an, dort erste Eindrücke über das Studium der Musik zu sammeln. Dabei lernte ich den Dozenten Holger Nell kennen, der mich prompt in eine Studiosession der RIAS Big Band mitnahm. Bis heute bin ich ihm für dieses tolle Erlebnis dankbar, das eine unheimliche Motivation für einen „Halbstarken“ wie mich war. Ich kam mit dem Entschluss aus Berlin zurück, in einer näher gelegenen Hochschule nach Unterricht zu fragen. Auf diesem Weg gelangte ich zu Keith Copeland, der damals Professor an der Musikhochschule Köln war. In den folgenden 4 Jahren fuhr ich also regelmäßig nach Köln und wurde von ihm an den Drums ausgebildet. Seine Ausbildung hat mich zutiefst musikalisch geprägt, denn er war ein Lehrer, der nicht nur Jazz lehrte, sondern ihn auch verkörperte. Nachdem ich mein Abitur abgeschlossen hatte, richtete ich mich ganz darauf ein, weiter bei ihm zu studieren. Nachdem ich den Studienplatz schon sicher hatte, wurden von der Hochschule einige Studienplätze gestrichen. Unter anderem auch meiner. Warten war also angesagt.

Es verging jedoch nicht viel Zeit, bis mich Peter Autschbach anrief und für sein Projekt (später „Terminal A”) anfragte. So begann ich im Alter von 20 Jahren Konzerte im gesamten Bundesgebiet zu geben. Ich stand mit der Band unter anderem mit Barbara Dennerlein, Ramesh Shotham und José Cortijo auf der Bühne und spielte an diese Formationen angeschlossen auch CD- und DVD-Produktionen ein. Und wie das im Musikerleben so ist, folgten aus diesen Engagements Kontakte und Projekte, die schnell meinen Terminkalender füllten. Mit diesen Entwicklungen rückte das Studium zunehmend in den Hintergrund. Ich entschloss mich letztlich dafür, keine Hochschulausbildung anzustreben und lieber das selbstständige Musikerleben weiter zu führen.

Da ich vom Beginn meiner Selbstständigkeit und auch heute noch immer eine große stilistische Bandbreite abgedeckt habe, ist mein musikalisches Wirken von dieser Vielfalt besonders geprägt: Vom Solospiel bis zum Orchester, vom Wohnzimmer bis zum Stadion, von Klassik über Jazz, Latin, Soul, Funk, Flamenco, Volksmusik bis zu handfestem Rock ist alles dabei, und ich schätze es sehr, dass ich diese Richtungen auf hohem Niveau spielen darf. Zudem habe ich neben den Engagements als Drummer auch viele Aufträge, die das „Drumherum” eines Musikers berühren – sei es als Musikschul- bzw. Workshop-Dozent, Techniker, Layouter, musikalischem Leiter oder Arrangeur. Obwohl dies sehr unterschiedliche Arbeitsgebiete sind, vereint sie doch der immerwährende Anspruch, auf hohem Niveau kreativ zu sein. Diesen Schwerpunkt meiner Arbeit habe ich schon immer als Grundbedürfnis empfunden, das ich durch meine unterschiedlichen Tätigkeitsbereiche ausleben kann.

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